Rumtreiber
BLOGEINTRAG #10 - WELTREISETAG 35-39
Colca Canyon
08 - 12.06.2019 - Auf den Spuren des Königs der Lüfte
Höhenakklimatisierung in der „weißen Stadt“

Wenn man eine Stadt mit San Cristóbal de las Casas, Mexiko, mit Peru vergleichen kann, dann ist es Arequipa. Kleine Gässchen mit netten Cafés und Restaurants, ein großes veganes Angebot, ein wunderschöner zentraler Platz mit pittoresken Gebäuden, auf dem sich die Bevölkerung tummelt ... das alles bietet Arequipa im Süden Perus, auch „die weiße Stadt" genannt, die auf knapp 2.400m über dem Meeresspiegel liegt und deren Stadtzentrum von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Auf unserem Weg zum Colca Canyon machen wir halt an diesem schönen Fleckchen Erde im Schatten des Vulkans Misti. Wir legen hier sehr gerne einen Zwischenstopp von 2 entspannten Tagen ein, um ein wenig durch die Straßen zu flanieren, etwas Ruhe zu finden und kulinarisch auf unsere Kosten zu kommen.
Besonders zu erwähnen wäre hierbei das Restaurant „Prana Vegan", welches typische Gerichte aus Arequipa in „veganisierter" Form anbietet, wie beispielsweise Cevice oder auch eine üppige Grillplatte. Am Folgetag genießen wir sogar noch mal ein Menu del Dia in japanischer Form - eine nette Abwechslung zum peruanischen Essen. Varianz bietet Arequipa hier genug - wir nutzen diese Situation schamlos aus und speisen an jeder Ecke.
Am 2. Tag ziehen wir uns in ein nettes Café mit Dachterrasse zurück und arbeiten ein bisschen an unserem Blog. Das Wetter ist herrlich und wir tanken ordentlich Energie (und Kaffee) bevor es mit dem Bus weiter zum Colca Canyon geht.
Sofia und Johnny begleiten uns weiterhin auf unserer Reise, auch wenn beide gesundheitlich ziemlich angeschlagen sind (Johnny mehr als wir zu diesem Zeitpunkt ahnen ...). Auch uns erwischt es mit Erkältung und Magen-Darm-Problemen aber es hilft ja nichts: das gehört eben auch dazu.
Am Busbahnhof in Arequipa schlagen wir uns mit den bisher erlernten drei Brocken spanisch durch und finden heraus, wie wir mit dem öffentlichen Bus am besten zum Colca Canyon, genauer gesagt nach Cabanaconde, gelangen und kaufen direkt 2 Tickets, die wir am nächsten Tag in der Früh einlösen.


Die Fahrt könnte aufgrund unserer aktuellen Gesundheitslage etwas angenehmer sein - vor allem, weil bei der 6-stündigen Fahrt keine Toiletten im Bus vorhanden sind. Müssen wir mehr dazu sagen ... ? :-)
Wo sich Fuchs und Has‘ „Gute Nacht“ sagen ...
Das Panorama ist jedoch atemberaubend! Der Colca Canyon liegt mitten in den Anden auf ca. 3.000m Höhe - er ist der zweittiefste Canyon der Erde, obwohl er aus geologischer Sicht noch relativ „jung" zu sein scheint und noch nicht mal die 100 Millionen Lenze erreicht haben soll. Die von den Inkas zur Landwirtschaft erzeugten Terassen prägen das Bild des Colca Canyons und begegnen uns immer wieder während unserer Reise durch diese Gegend. Lama- und Alpaca-Herden sowie tiefe Schluchten bieten einen tollen Ausblick während der Fahrt bis wir schließlich in einem verschlafenen Bergdörfchen namens Cabanaconde ankommen. Wer sich jemals gefragt hat, wo genau sich Fuchs und Has' „Gute Nacht" sagen, dem sei gesagt: Cabanaconde ist dieser Ort!
Sofia und Johnny nehmen einen späteren Bus und schaffen es noch, gemütlich bei einem Ofenfeuerchen ein Abendessen mit uns einzunehmen. Die Temperaturen liegen hier am Tag übrigens bei ca. 21 Grad, abends und nachts kann es aber gut und gerne mal auf -5 Grad runter kühlen sobald die Sonne sich verabschiedet hat.
Am nächsten Tag geht es sehr früh los, denn wir wollen Andenkondore sehen, die größten Raubvögel der Erde! Wir stärken uns kräftig mit Coca Mate und Avocadobrötchen und brechen zur Busstation auf - der 1. Bus soll ziemlich stark frequentiert sein, denn all die Händler möchten natürlich ebenfalls vor den Touristen am Aussichtspunkt sein, um ihre Waren anzubieten.
Unweit von Cabanaconde liegt der perfekte Aussichtspunkt, der „Mirador Cruz del Condór“, um die majestätischen Tiere bei der. morgendlichen Futtersuche zu beobachten. Wie erwartet, wird der Bus brechend voll und wir tingeln zwischen peruanischen Frauen in Tracht, die bis unter die Zähne bepackt sind, am Canyon entlang zum Aussichtspunkt und werden auch prompt mit einer Hammeraussicht auf die in den Schluchten segelnden Kondore belohnt! 3,20m Flügelspannweite können sich auf jeden Fall sehen lassen.
Der majestätische Andenkondor ist in von Peru bis Feuerland vertreten, zieht allerdings nur alle 2 Jahre ein Junges auf. Wirklich erforscht ist das Leben des Aasfressers bisher nicht. Beobachtet wurde der Andenkondor allerdings schon bei der „Jagd" auf Beute, in dem er mit heftigen Flügelschlägen Ziegen oder Kühe an Berghängen zum Absturz bringt, um später das verendete Tier aufzufuttern.
Danach wandern wir zu Viert noch ein wenig am Canyon entlang, treffen auf Lamas und Schafe und genießen nochmals den Ausblick über die riesigen Schluchten.
Abends nach dem Essen fallen wir schlagfertig ins Bett ... die Höhe (vor allem in unserem angeschlagenen Zustand) macht sich auf jeden Fall bemerkbar und man muss gefühlt doppelt so häufig atmen als sonst. Aber der hier kredenzte Coca Tee (ja, der ist tatsächlich aus Coca Blättern und schmeckt sogar ganz gut ...) hilft aber gegen die Beschwerden, die wir Flachländler mit der Höhe so haben.
Wir verlassen Cabanaconde mit dem Local Bus, um in Chivay (wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen) nach Puno umzusteigen, das Drehkreuz, möchte man auf dem Landweg nach Bolivien einreisen. Puno liegt direkt am legendären Titicaca-See, aber die Stadt an sich ist wenig spektakulär und wird deshalb eher von den Transittouristen für einen Tag in Anspruch genommen. Genau das haben wir auch vor ... Unsere letzte gemeinsame Station mit Sofia und Johnny steht an, wobei wir die Zwei DEFINITV in Kolumbien wieder sehen werden!
Die Fahrt nach Puno führt über die Anden und wir machen einen kurzen Stopp auf einem Plateau auf 5.190m Höhe und da spürt selbst der Fitteste und Hartgesottenste, wie dünn die Luft hier tatsächlich ist und hechelt sich den erforderlichen Sauerstoff zusammen. Vom Plateau aus kann man verschiedene Vulkane sehen - ansonsten zeigt sich die Landschaft in einem kargen Gewandt, was bei der Klimazone natürlich logisch ist ... wir merken auch so langsam, dass wir wieder Bock auf Hitze, Schwitzen und warme Temperaturen haben - seit Mexiko City tragen wir konsequent lange Sachen - also die Kleidung, von der wir am wenigsten eingepackt haben. Außerdem erinnern uns kalte Füße und triefende Nasen eher an den Winter in der Heimat ... ironischer Weise ist dort parallel der Hochsommer ausgebrochen und wir frieren seit 2 Wochen wie die Schneider!
Zu abendlicher Stunde kommen wir in Puno an. Johnny kämpft immer noch mit seiner gesundheitlichen Verfassung. Später erfahren wir, dass er 2 Tage später mit einem Lungenödem im Krankenhaus gelandet ist ... die Folgen der Höhenkrankheit sowie einer verschleppten Infektion. Zum Glück haben die Beiden die Anzeichen richtig gedeutet und direkt ein Krankenhaus aufgesucht.
Wir verabschieden uns schweren Herzens von unseren zwei Begleitern, die wir sehr ins Herz geschlossen haben und mit denen das Reisen so entspannt und unkompliziert war, wie man es sich nur wünschen kann ... Sofia & Johnny, danke für die MEGAGEILE Zeit und wir sehen uns wieder - wie versprochen, am kolumbianischen Strand bei Drinks und in kurzen Klamotten! :-)

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