Rumtreiber
BLOGEINTRAG #15 - WELTREISETAG 60 - 62

Iquitos

03. - 05.07.2019 - Hängemattenromantik auf dem Amazonas: unsere verrückte Frachtschiffreise nach Kolumbien
Komm' ... Lass' uns doch ma mit'm Frachtschiff über den Amazonas faaahrn ... !
Mit'm Frachtschiff ... ? Was iss'n das für ne verrückte Idee?!
Manchmal jagt ein Abenteuer das nächste - so wie bei uns zur Zeit. Heute möchten wir nämlich mit dem Frachtschiff für mehrere Tage über den Amazonas nach Kolumbien, genauer gesagt in die Grenzstadt Leticia, reisen. Warum fliegen, wenn's auch anders geht! Zeit haben wir ja ... und die benötigt man für dieses Vorhaben auch, denn keiner kann genau sagen, wie lange die Fahrt dauert oder ob das Schiff wirklich am offiziellen Starttag ablegt. Auslöser dieser verrückten Idee waren Gespräche mit anderen Reisenden, die genau das in der Vergangenheit getan haben und mit mächtig vielen Eindrücken aufwarten konnten.
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„Abenteuer, das“ = mit einem außergewöhnlichen, erregenden Geschehen verbundene gefahrvolle Situation, die jemand zu bestehen hat
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Luis, unser ultimativ-hilfreicher Gastgeber, versorgt uns mit den wenigen, ihm bekannten Infos (bspw. die Abfahrtshäfen, denn es gibt 2 Stück, an denen die Schiffe zu unterschiedlichen Tagen ablegen) und wir planen, noch direkt am 1. Tag nach unserem Regenwalderlebnis diese Reise anzutreten.

Auf dem „Mercado Belén" decken wir uns mit den erforderlichen Gegenständen ein. Die da wären:
Hängematte
Unser „Bett“ für die nächsten Tage
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Ca. 8,50 EUR / Stück
Besteck & Geschirr
Die Kombüse auf dem Boot teilt Frühstück, Mittag- und Abendessen auf den mitgebrachten Utensilien aus
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Ca. 1,20 EUR / Set
Klopapier, Trinkwasser & Snacks
Klopapier & Trinkwasser sind natürlich ein MUSS auf einer solchen Reise, ansonsten haben wir uns noch Obst, Knabberzeug und ein gutes Tröpfchen Wein im Tetra Pak gegönnt
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Ca. 18 EUR
Wir hätten Euch ja Fotos von diesem Markt gemacht aber Luis hat uns empfohlen, noch nicht mal eine Geldbörse mit zu nehmen, da dieser Ort aufgrund der zahlreichen Taschendiebstähle wohl als „Bermudadreieck für Wertgegenstände" bezeichnet werden darf aber sehenswert ist dieser riesige, kuriose Markt auf jeden Fall. Um 18 Uhr soll's laut Info von Luis los gehen - um halb 5 lassen wir uns von einem Tuktuk an den Hafen karren ... um festzustellen, dass hier gar kein Schiff nach Leticia ablegt.
Unser Fahrer erkundigt sich schnell bei den Hafenarbeitern, die ihn auf den 2. vorhandenen Hafen hinweisen. Im Eiltempo befördert er uns dort hin und wir werden fündig - hier legt heute ein Schiff nach Kolumbien ab, Hurra! Wir balancieren an Müllhaufen vorbei über klapprige Holzbalken auf das Schiff, welches für die nächsten Tage unser Zuhause sein wird. Die Fahrt kostet schlappe 60 Pesos inkl. einfachem Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Zustand gemäß Stiftung Amazonas-Test: Sehr gut!
Wir erreichen das Oberdeck, packen unsere Hängematten aus ... und glotzen uns erst mal mit fragendem Blick an nach dem Motto: ähm, wie häng' ich dieses Ding denn jetzt gescheit auf ... ? Die Fragezeichen in unseren Gesichtern werden sogleich von Einheimischen erkannt, weshalb wir mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer Mitfahrer unsere Schlafgelegenheiten zwischen den unterschiedlichsten Charakteren aufhängen ... Mütter, die ihre Babies stillen, Gaukler-Gruppen, Handelsreisende oder einfach nur Passagiere, die diesen üblichen Verkehrsweg nutzen möchten. So nach und nach füllt sich das Schiff mit Reisenden aber auch Gütern aller Art - nur ein schmaler Pfad bleibt den Passagieren noch, um auf die Decks zu gelangen.
Kurz vor der Abfahrt gesellen sich 4 weitere Touristen (die hier eher spärlich vertreten sind) zu uns und richten sich neben an „häuslich" ein: Louis & Zack aus Schottland sowie 2 nette Mädels, Lithal & Lotham, aus Israel (wir können gar nicht häufig genug betonen, wie viele geniale Leute wir aus Israel kennen gelernt haben). Die Truppe wird die nächsten Tage unsere direkte Nachbarschaft sein.
Unsere schottischen Nachbarn - Ihr wart der Hammer!

Um 22 Uhr heißt es „ABLEGEN" und die Reise ins Herz des Amazonas (okay, da waren wir gerade die Tage zuvor schon) beginnt! In den nächsten knapp 2 Tagen genießen wir das Relaxen in der Hängematte.
Eat - Sleep - Drink - Repeat
Das tägliche Leben auf dem Schiff besteht eigentlich nur aus ganz tollen Dingen, zu denen man im Alltag oftmals viel zu selten kommt: zu aller erst mal - SCHLAFEN, auch wenn die Geräuschkulisse schon mal etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Des Weiteren stehen Dinge wie ständiges Futtern oder natürlich auch Lesen und Musikhören auf dem Plan. Außerdem verquasseln wir uns ständig mit den Leuten, vorzugsweise mit unseren Nachbarn, mit denen wir dann auch unseren exklusiven Tetra-Pak-Wein teilen. Und so plätschern die Stunden dahin wie das braune Wasser des Amazonas ...
Die Kinder beäugen uns neugierig; die Einheimischen, die während der vielen Stops zusteigen, begrüßen uns oft per Handschlag, wenn sie ihre Hängematte in unmittelbarer Nähe aufknüpfen.
Die Kids an Bord hatten auf jeden Fall ihren Spaß mit uns

Es gibt 2 einfache Toiletten mit improvisierter Dusche je Deck. Die Verpflegung besteht aus sehr einfacher Kost, ist aber lecker und meist fleischlos (die Brocken müssen wir an der ein oder anderen Stelle „umfuttern" aber in diesem Umfeld sollte man nun mal nicht zimperlich sein).
Die Sonnenuntergänge auf dem Amazonas sind einfach purer Sex fürs Auge! Schon auf der Dschungeltour kamen wir in den Genuss dieses Anblicks - und jetzt, auf einem Frachtschiff, mit netten Leuten und einem kalten Bierchen in der Hand (kann man zum Glück käuflich auf dem Schiff erwerben), erleben wir ihn - mal wieder auf dieser Reise: den perfekten Moment!
Nachts wird es sogar auf dem Amazonas recht frisch. Von daher sollte man sich vielleicht eine Decke oder zumindest wärmere Klamotten mit nehmen. Das Konzept funktioniert jedoch hervorragend - im Abstand von ca. 1 Meter baumeln rund 50 Passagiere in 2 Reihen pro Deck vor sich hin. Das Schiff hält an verschiedenen Dörfern entlang des Amazonas und versorgt hauptsächlich die Bewohner mit dem Nötigsten - und dient sekundär als Beförderungsmittel für Reisende.
Die Stimme im Bauch hat immer recht
Kleine Anekdote am Rande: die bereits erwähnte Gauklertruppe besteht aus einem Erwachsenen und 2 Jungs im Alter von ca. 10 und 14 Jahren. Irgendwie kommen uns diese Leute suspekt vor - da ist so ein Bauchgefühl ... sie sprechen vorzugsweise die Touristen an, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, führen ihre „Comedy"-Shows auf, jedoch bemerken wir schnell, dass sie auch das Gepäck der Reisenden scannen. Wir „bewachen" ausnahmsweise unsere Sachen gut (da wir zu sechst sind, ist das auch kein Problem) und nehmen nachts unsere Wertsachen mit in die Hängematte , denn auch die Anderen haben ein ungutes Gefühl bei diesen Leuten. Wie sich herausstellt, „nutzt" der Kopf der Bande die beiden Jungs, um die Passagiere zu bestehlen. Wir sind glücklicher Weise nicht betroffen. Und unterm Strich können wir sagen: das war unser EINZIGES negatives Erlebnis bzw. das erste alarmierende Bauchgefühl. Und was sollen wir sagen: das ist eben immer noch die beste Alarmanlage. Ansonsten sollte man sich auf Reisen einfach locker machen.
Unser Gepäckgelage - stets unter gemeinschaftlicher Observation
Die Stunden verfliegen - eigentlich viel zu schnell für unseren Geschmack denn wir hätten es gut und gerne noch einen Tag länger auf dem Schiff ausgehalten. In Leticia müssen wir erst mal den Migrationsprozess in Santa Rosa absolvieren - das Örtchen liegt genau auf der anderen Flussseite von Leticia und gehört noch zu Peru.
    Für den Transport vom Frachtschiff zum „Office“ in Santa Rosa sowie für die kurze Fahrt ans gegenüberliegende Ufer nach Leticia organisiert Lithal einen Bootsfahrer ... der uns später ganz schön Kohle abknöpft obwohl wir die Preise eigentlich geklärt haben. Aber nun denn ... wir reihen uns im Immigration Office direkt am Ufer ein, um unsere Einreise amtlich bestätigen zu lassen.
      Immer schön hinter der gelben Linie warten

      ... in dieser Sekunde fängt ein neues Kapitel an denn schließlich befinden wir uns jetzt („TUSCH") in Kolumbien! Leticia liegt an der südlichsten Spitze des Landes und grenzt direkt (wie bereits erwähnt) an Peru und Brasilien (die Grenze verläuft übrigens mitten durch Leticia, weshalb wir streng genommen auch in Brasilien waren, höhö).
        So, mal kurz rüber nach Brasilien spaziert ...

        Wow ... Peru war für uns echt ein wahres Abenteuer! Das Land hat uns durch seine Vielfältigkeit, mit der wir in dieser Varianz nicht gerechnet haben, eine weiße Leinwand geboten, auf der wir unser ganz persönliches „Adventure“ in allen Farbnuancen gestalten konnten - und das haben wir getan!
          Von tiefem Dschungel bis zum unwirklichen Panorama der Wüste ... von Pinguinen auf kühlen, schroffen Inseln bis zu sagenumwobenen Inka-Stätten ... von tiefen eindrucksvollen Schluchten bis zu einem Bad im größten Fluss der Erde - und das Ganze gekrönt mit einer verrückten Schiffart.

          Gracias & adios, Peru!
            Seht mehr in unserem folgenden Vlog
            Made on
            Tilda