Rumtreiber
BLOGEINTRAG #12 - WELTREISETAG 44 - 47

Salar de Uyuni 2.0

17.- 20.06.2019 - Eisige Zeiten am größten Spiegel der Erde
Es wird kalt ... SOOO kalt ...
Nach 2 Tagen Auszeit reisen wir zurück nach La Paz, um von da aus unser Hauptziel in Bolivien anzusteuern: Uyuni. Dafür müssen wir aber noch kräftig shoppen gehen, denn wir sind nicht für Temperaturen von teilweise minus
15 Grad kleidungstechnisch ausgestattet. Drum erstehen wir dicke Socken, Steppjacken und Leggings (tatsächlich nur für Esther, auch wenn Adi darin sicher atemberaubend ausgesehen hätte) zu niedrigen Preisen in den kleinen Lädchen von La Paz.

Der Nachtbus befördert uns über eine wilde Straße zum Rande der Salzwüste, die wir für die nächsten 3 Tage mit einer geführten Tour erkunden möchten. Wir kommen einer Empfehlung unseres Reisebuddies Oli nach, der uns seinerzeit in Mexiko die Agentur „Salty Desert" empfohlen hat. Dieser Veranstalter ist nicht ganz billig; wir zahlen ca. 150 EUR/Person zzgl. Kosten für den Nationalpark, Toilettengänge etc.; allerdings sollte man bei der Wahl der Agentur für die Salzwüste nicht all zu knausrig sein, da es hier wohl einige schwarze Schafe geben soll, die sehr unorganisiert arbeiten - und in einer solchen lebensfeindlichen Umgebung ist das eher subobtimal. In unserem Paket sind 2 Übernachtungen in einfachen Unterkünften sowie 3 wirklich leckere Mahlzeiten am Tag inbegriffen.
Salty Desert: Diese Agentur ist absolut empfehlenswert!

Nach Ankunft bei der Agentur und einer kurzen Katzenwäsche in einem nahegelegenen Restaurant (im Freien, versteht sich) starten wir mit
2 Fahrzeugen - unser Weg führt direkt zum Salar de Uyuni. Doch vorher machen wir noch kurz Halt an einem ganz besonderen & mystischen Ort ...
Kurz vor der Salzwüste liegt der Eisenbahnfriedhof von Uyuni - auf der einst hoch frequentierten Eisenbahnstrecke wurden seinerzeit Salze und Metalle aus dem Landesinneren an die Hafenstädte am Pazifik transportiert. Nach dem Zusammenbruch dieses Industriezweigs in den 40ern wurden die Verkehrswege stillgelegt und die Lokomotiven sich selbst überlassen. Heutzutage dient dieser „Lost Place“ nur noch als Fotomotiv für Besucher der Salzwüste.
Wir erreichen die unendlichen Weiten der Salzwüste. Wenn man diesen merkwürdigen Anblick von weißer Fläche gegen dunkelblauen Horizont nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man kaum beschreiben, wie dieses Panorama wirkt ... abstrakt, schön, wie von einem anderen Planeten ...
Nach einer kurzen Stärkung in einem kleinen Salzgebäude, welches den Reisenden durch Uyuni als Pausenplatz dient, schießen wir ein paar obligatorische Fotos, denn in der Salzwüste lassen sich wirklich lustige Perspektiven ablichten - das nutzen wir natürlich vollends aus.
Leroy, unser Guide, sprüht nur so vor tollen Ideen und lässt uns vor Dinosaurieren erzittern, auf Lamas reiten und aus einer Kamera spazieren (mehr dazu in unserem Vlog).
Die Isla Incahuasi (übersetzt „Haus der Inkas“) sticht mit ihren riesigen, teils Jahrhunderte alten Kakteen aus der weißen Landschaft heraus wie eine Oase in der Wüste. Hier sind übrigens auch uralte Korallen zu finden, die einem längst vergangenen Ozean entstammen - der Geburtsstunde der Salzwüste, sozusagen.
Der Sonnenuntergang ist unbeschreiblich schön und grausam zugleich denn mit jeder Sekunde fallen die Temperaturen von plus 16 Grad auf Minus 15 Grad. Auch wenn wir in La Paz noch warme Kleidung gekauft haben, kriecht die eisige Kälte sofort in jede kleinste Ritze.
Die Nacht verbringen wir in einer einfachen Unterkunft, die aus Salz gebaut ist. Es ist bitterkalt, da keine Heizung vorhanden ist. Aber das gehört zu dieser Tour einfach dazu ... alles ist sehr „Basic" und das macht auch ein wenig den Flair aus. Wir essen gemeinsam ein leckeres deftiges Essen mit heißer Gemüsesuppe und Veggie-Reis und steigen anschließend vollständig bekleidet in unsere eiskalten Betten, die auch über die Nacht nicht wirklich warm werden.
Der „Aufenthalts- und Essraum“ im Salzhotel
Auf Salz gebettet ...
Nach dem Frühstück setzen wir unseren Roadtrip fort - wir genießen den Anblick der sog. „Dalí Wüste“ und von wunderschönen Lagunen in allen möglichen Farben, die sich teilweise auf über 5.000 Höhenmetern befinden.
Flamingos tummeln sich am Ufer der teils giftigen Seen und sind so gar nicht scheu ... wie übrigens alle Tiere, die wir antreffen und das sind eine ganze Menge.
Die Wüstenfüchse bestaunen unsere Autos aus nächster Nähe; Lamas und Alpakas zupfen das spärliche Grün vom gefrorenen Boden - unbeeindruckt von unserer Präsenz. Viscachas, hasenähnliche Chinchillas, schnuppern neugierig an unseren Fingern und die Nandus interessiert es überhaupt nicht, dass wir sie aus nächster Nähe beobachten.
Wüstenfuchs
Viscacha
Nandu
Alpaka-Familie
Unsere Reise führt uns an wunderschönen Orten & Sehenswürdigkeiten vorbei: Geysire und warme Quellen, giftige Seen und Supervulkane, baumähnliche Steinformationen und sogar jahrtausendealten Mumien.
Unser Guide, Liroy, ist einfach klasse! Man kann ihn wirklich als bolivianischen Tausendsassa bezeichnen - er weiß alles über diese einzigartige Natur, über die vielfältigen Kulturen & Glaubensstrukturen, verschiedene Sternbilder am Himmel, denn wir sehen den unglaublichsten aller Sternenhimmel, der uns je zu Gesicht gekommen ist ...
Fehlende Licht- und Luftverschmutzung der Atmosphäre lassen die Milchstraße gleißendhell erstrahlen und wir schaffen es sogar, diese Szenerie auf Bildern festzuhalten.
Abends kommen wir in unserer sehr einfachen Bleibe an. Wir teilen unser Zimmer mit einem sympathischen holländischen Pärchen, Nicki und Sander. Die gesamte Gruppe ist mächtig durchgefroren - wir wärmen uns im Aufenthaltsbereich erst mal mit heißem Tee und einem warmen Essen auf.
Ich seh‘ den Sternenhimmel ...

Da auch hier keine Heizung oder Dusche vorhanden ist, springen wir nachts bei Vollmond in die fußläufig gelegenen „Hot Springs“, natürliche Becken, die mit 40 Grad heißem Wasser gefüllt sind. Wir zittern vor Kälte und das warme Wasser fühlt sich zunächst wie tausend Nadelstiche an - die Nacht glitzert bei Minusgraden im zweistelligen Bereich, was bei über 5.000 Meter über dem Meeresspiegel kein Wunder ist. Aber das heiße Bad tut sein Übriges und wir quellen förmlich auf ... und werden von einer extremen Schwäche heimgesucht, weswegen wir uns in der Kälte abtrocknen, anziehen und direkt in die vorhandenen Schlafsäcke fallen. Klappe zu - Affe tot!
Unsere Zimmergenossen
Die heißen Quellen bei Tageslicht
Der letzte Tag unseres Abenteuers bricht an und unsere heitere Gruppe aus Österreichern, Holländern, Deutschen und Franzosen hatte trotz der anstrengenden Bedingungen sehr viel Freude an diesem Trip. Und unser Fazit ist: nehmt eine gescheite Agentur in Anspruch - „Salty Desert" können wir wirklich von ganzem Herzen empfehlen, den sie hatten wirklich alles im Blick! Liroy, unser Guide, begleitet uns sogar nach der Rückkehr noch an den Flughafen und hat sich auch bei den anderen Tourteilnehmern noch um dies oder das gekümmert.
Die einfachen & schönen Dinge des Lebens ...
Fix und alle sitzen wir jetzt in Uyuni am Mini-Flughafen unter einem Heizpilz, der eigentlich nur aus einer Hütte und einem kleinen Rollfeld besteht, und warten auf unseren Weiterflug nach La Paz. Wir haben uns übrigens ausnahmsweise mal für eine Streckenbewältigung via Flug entschieden - eigentlich das 1. Mal, ausgenommen der länderübergreifende Trip von Mexico City nach Lima. Die Alternative dazu würde 3 Tage Busfahrt bedeuten und das brauchen wir nach unserem Wüstenabenteuer gerade wie Halsweh.

Nach der unruhigen Nachtfahrt nach Uyuni und 3 Tagen Road Trip sind unsere Akkus leer aber wir haben noch eine Nacht am Flughafen vor uns, denn unser Anschlussflug zurück nach Peru startet erst um 10 Uhr in der Früh - heißt also: 10 Stunden über Nacht rumgammeln am La Paz Airport ... und die letzte Dusche liegt schon 3 Tage zurück, wohlgemerkt ... Ihr könnt Euch also vorstellen, wie sehr wir uns nach einem kleinen gemütlichen Zimmerchen und einer erholsamen Nacht im warmen Bett sehnen - eben nach den einfachen, aber schönen Dingen des Lebens. Auf Steinboden dösend und mit wehen Knochen fiebern wir somit dem Start ins nächste Abenteuer entgegen ...
Seht mehr in unserem folgenden Vlog
Made on
Tilda