Rumtreiber
BLOGEINTRAG #18 - WELTREISETAG 73 - 76

San Andrés

16. - 19. 07.2019 - Das karibische Paradies im Tourismus-Dilemma
Sunshine ... Sunshine Reggae ...
Auch wenn hier Keiner im übertragenen Sinne „reif für die Insel“ ist, tun wir's trotzdem und möchten ein fernab gelegenes, kolumbianisches Mini-Fleckchen vor der Küste Nicaraguas ansteuern. Drum geht's im Collectivo von Minca zurück nach Santa Marta - am Flughafen treffen wir wieder auf Sofia und Johnny, die erholt und dank der hiesigen Zuverlässigkeit der „Öffentlichen“ leicht verspätet eintreffen, um unsere nächste gemeinsame Destination anzusteuern: San Andrés. Gott, was haben wir uns schwer getan mit unserer Auswahl der geeignetsten Insel rund um Kolumbien - viele davon sind sehr touristisch und ziemlich überlaufen, so auch eigentlich San Andrés. Allerdings scheint uns dieser Ort immer noch die beste Alternative zu sein, um noch mal gemeinsam mit unseren Friends ein paar Tage mit Beach Feeling genießen zu können.
    Aber wir müssen ganz schön genau hin schauen, in welcher Ecke wir unterkommen möchten denn in bestimmten Gebieten, wie beispielsweise im Norden, stapeln sich die Bettenburgen und das ist nun wirklich nicht das, was wir suchen.

    Und unsere Sofia wird natürlich fündig! Wir mieten zu Viert eine kleine Wohnung im Ortsteil San Luis an der Ostseite der Insel - der Vater der Inhaberin holt uns am Flughafen ab und wir kommen mitten in der Nacht an, um dann nur noch ins Bett zu fallen.
      Die Wohnung selbst ist ein wenig abgewohnt aber irgendwie süß und liegt wirklich schön direkt am Strand mit Terrasse und viel Katzenbesuch :-) Jetzt muss erst mal ein deftiges Frühstück her. Ein nahegelegenes Lädchen wird umgehend geplündert und wir gönnen uns mit Blick aufs nicht weit entfernte Meer erst mal Kaffee und Futter.
        Der nahegelegene karibische Strand ist wunderschön und das Wasser einfach unglaublich türkis (diese Feststellung wird Euch noch des Öfteren in diesem Beitrag begegnen denn es war WIRKLICH das türkiseste Türkis ever ...)! Die Ecke hat schon was von Jamaica (was uns auch Sofia & Johnny bestätigen denn die waren ein paar Jahre zuvor dort). Deshalb heißt es: rein in die Badeklamotten und los geht's zum Strand!
          In Gänsemarsch geht‘s ab zum Strand
          Boah, was für ein karibisches Feeling! Der Strand scheint sich ewig an der Küste entlang zu säumen, hier und da finden sich kleine Sitzgelegenheiten, an denen man bei tropischen Klängen und Bombenaussicht seinen philosophischen Gedanken nachhängen kann. Was sollen wir sagen ... einfach geil!
            Nach einem schönen Spaziergang im weißen Sand, nehmen wir Platz in einer kleinen netten Reggae-Beachbar und genießen den Ausblick auf türkisfarbenes Wasser und ein wohl vor Ewigkeiten gestrandetes Schiff, welches wohl schon seit Dekaden dort vor sich hin schimmelt. Was jetzt noch fehlt, ist der passende Drink in den Pfoten! Vom legendären Cocktail „Coco Loco“ haben wir ja schon viel gehört - ein karibisches Getränk, das in einer aufgeschlagenen Kokosnuss gereicht wird. Der tatsächliche Inhalt wurde uns in der Vergangenheit mit „Kokosnussmilch & Rum“ beschrieben. In unseren Klappstühlen chillend, genehmigen wir uns ein solches Teil ... aber was ist das denn?! Zuckersüß mit Grenadine? Und dann auch noch im Plastikbecher?! ... wir hatten uns irgendwie was Anderes vorgestellt aber geknallt hat's!
              Abends wird standesrechtlich gegrillt denn so eine eigene Terrasse mit vorhandenem Grill muss man schon ausnutzen. Das lokale Gemüse aus unserem kleinen Lädchen schmeckt wirklich köstlich - die Katzenfamilie gesellt sich ebenfalls zu uns, bietet ein passendes Entertainmentprogramm und turnt akrobatisch in den Palmen herum, während wir bei einem Bierchen ordentlich „Kärtchen kloppen“, wie man bei uns so schön sagt.
                Es ist spät - Johnny kramt noch die letzten Dosen Bier aus dem Kühlschrank, kommt zurück auf die Terrasse, zieht die Wohnungstür hinter sich zu und ... OOOPS! Der verdammte Schlüssel liegt in der Bude ... und wir sitzen davor. Vier ratlose Gesichter, die sich verdutzt und leicht betrunken anschauen - alle Versuche, unsere Gastgeberin daraufhin telefonisch zu erreichen, bleiben erfolglos. Deshalb spazieren nun die Jungs noch mal drauf los (einfacher Weg: locker ne halbe Stunde), klingeln unsere Vermieterin mal schön aus dem Bett so mitten in der Nacht (Gott sei dank wissen sie noch, wo die Gute wohnt) und lassen sich den Ersatzschlüssel aushändigen ... die Ärmste! Ihr Freund ist so nett und fährt die Zwei mit seinem Golfcart-ähnlichen Gefährt noch Nach Hause - irgendwann kommen wir dann auch mal ins Bett an diesem Abend. Ein bisschen Nervenkitzel so zwischendurch ... warum nicht. Sonst wär's auch zu relaxed geworden an diesem Tag.
                  Auf der Rückfahrt von Ihrer „Home Invasion“ noch Blödsinn im Kopf: Adi und Johnny
                  ... und falls Ihr jetzt auch Lust auf einen Coco Loco bekommen habt, der auch noch gescheit schmeckt, dann haben wir hier eine Zusammensetzung gefunden, die mehr nach dem klingt, was wir uns vorgestellt haben - also, einfach alles zusammen gießen, durchschütteln in ein Glas oder eine geöffnete Kokosnuss kippen und PROST!
                    4 cl weißer Rum
                    3 cl Gin
                    3 cl Tequila
                    2 cl Batida de Coco
                    5 cl Cream of Coconut
                    2 cl Zitronensaft
                    15 cl Ananassaft
                    Am nächsten Tag mieten wir uns Mopeds und düsen über die Insel, die man tatsächlich in einer guten Stunde umrunden kann. Jetzt ist die Gang endlich „mobil“ und los geht die wilde Fahrt!
                      Die 4er-Gang ... auch wenn Sofia gerade hinter Johnny verschwindet
                      Wir haben mächtig Spaß, halten hier und da an wunderschönen Bademöglichkeiten an und erfrischen uns mit einem beherzten Sprung ins kühle Nass. Das Wasser schillert in einem so unwirklichen Türkis, dass wir selbst bei jedem Blick auf’s Meer mit halboffenen Mund vor uns hin starren.
                        Vor lauter Staunen fällt uns gar nicht auf, das unsere Tanks so langsam leer sind ... Anfängerfehler! Wir fragen einen netten Herren und seine kleine Tochter nach der nächsten Tanke. Er versucht uns den Weg zu erklären, hüpft dann aber kurzerhand mit der Kleinen auf sein Moped und eskortiert uns direkt zur nächsten Tankstelle, die bestimmt 10 Min entfernt ist ... die Leute sind einfach unglaublich nett hier und wir bedanken uns bei den Beiden für diese tolle Aktion. Die Fahrt führt uns weiter durch kleine Dörfer, entlang der Küste und schließlich auch in abschreckende Hotelburgen im Norden, von denen wir schon viel gehört haben - Fazit: wir sind so froh, dass wir in San Luis untergekommen sind!
                          So ein fahrbarer Untersatz muss ausgenutzt werden. Deshalb gehen wir abends schön aus und machen die Stadt unsicher. Mit vollen Bäuchen und müde von der karibischen Sonne fahren wir bei lauer Abendtemperatur zurück nach San Luis.
                            Paradies im Belagerungszustand
                            Der letzte Tag steht an und wir unternehmen mit den Beiden einen Ausflug zu den nahegelegenen Inseln Johnny Cay und El Aquario. Eigentlich wissen wir, dass sich die Touristen hier in Massen tummeln werden, aber Sofia & Johnny möchten gerne noch ein paar Eindrücke mitnehmen, bevor es zurück ins kalte Deutschland geht und wir schließen uns natürlich an, um noch jede Minute mit den Beiden auskosten zu können. Mit dem Boot geht's am Morgen los zur 1. Insel - Esther hat übrigens für die Überfahrt den feuchtesten Platz im Boot gewählt und kriegt direkt zum Wachwerden erst mal gefühlt 365 Liter Salzwasser in die Visage ... hat auf jeden Fall gut funktioniert und der Kater vom Vorabend ist schier wie weggeblasen :-)
                              Eins können wir mit absoluter Sicherheit bestätigen: und zwar, dass wir noch nie so viele Touristen auf einem Haufen angetroffen haben wie dort. Die Kolumbianer selbst sind sehr reisefreudig, was eigentlich wundervoll ist. Allerdings konzentriert sich der Ansturm ziemlich auf diese beiden Insel-Spots - diese sind wirklich wunderschön aber genießen können wir das nicht so ganz, da uns die Massen eher abschrecken bzw. traurig stimmen. Wieso kontrolliert man die Besucherzahlen nicht, damit sich Tiere und Natur wieder erholen können? In vielen Teilen Kolumbiens haben wir Eco-Tourismus kennen gelernt. Hier ist es leider völlig anders.
                                Trotzdem haben wir zu Viert einen spaßigen Tag ... unseren letzten gemeinsamen Tag, leider ... drum flippen wir noch mal voll aus, klettern auf Palmen, schütten uns Coco Loco in den Hals und lassen die gemeinsamen Erlebnisse Revue passieren.
                                  Wir steuern die letzte Station des Tages, El Aquario, mit dem Boot an. Johnny und Sofia schnorcheln noch ein bisschen und schauen sich im seichten Wasser die Meeresbewohner an, die sich längst an die Touristenmassen gewöhnt haben. Kleine Rochen tauchen neugierig auf und inspizieren die Besucher, werden nur leider oft von den Menschen angepackt, um Fotos mit ihnen zu machen - für uns einfach unverständlich und einfach nur dumm. Durch die niedrige Wassertiefe schimmert das Meer so türkis, dass die satte Farbe fast in den Augen schmerzt.
                                  Wir düsen mit dem Boot zurück nach und verarbeiten auf dem Heimweg unsere Eindrücke. Wir Alle hoffen sehr, dass es San Andrés schafft, dieses Paradies langfristig zu erhalten und nicht den kurzfristigen Profit in den Vordergrund stellt. Die Menschen, die hier leben, besitzen wenig und es ist verständlich, dass sie die Touristen als Lebensgrundlage nutzen. Jedem künftigen Besucher möchten wir jedoch ans Herz legen, diese „Attraktionen“ auszulassen und auch wir haben für uns nochmals die Überzeugung gefestigt, auf solche Touren dauerhaft zu verzichten. Wir waren heute wissentlich Teil des Problems und möchten uns künftig so weit als möglich als Reisende achtsamer verhalten, was wir nach unseren Maßstäben bisher auch ganz gut gemeistert haben. Manche Destinationen kann man nicht auf eigene Faust erkunden. Jedoch kann jeder Reisende dafür sorgen, dies auf etwas sanftere Art zu tun. Beispiele dafür werden wir Euch bei künftigen Ausflügen näher erläutern.
                                  Am Abend kochen wir noch mal gemeinsam und ertränken unseren Trennungsschmerz in kolumbianischen Bier, denn die Beiden müssen sehr früh los, da ihr Flug nach Deutschland über Bogota führt während wir ein anderes Ziel anfliegen werden. Sofia & Johnny, danke für diese unvergessliche Zeit mit Euch! Wir hatten so viel Spaß zusammen und das gemeinsame Reisen war so unkompliziert und lustig ... wir hoffen, dass Ihr Euch nochmals unserer Route anschließen werdet - noch habt Ihr gute 10 Monate Zeit, Euch eine Destination auszusuchen ;-)
                                  Wir freuen uns schon!
                                    Der passende Vlog folgt in Kürze ...
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                                    Tilda