Rumtreiber
Blogeintrag #6 - Weltreisetag 14-17

San Cristóbal de las Casas

18. - 21.05.2019 - Von „A" wie „Adrenalin" bis „Z" wie „Zapatisten"
„Gute Freunde kann niemand trennen ...“
(Franz Beckenbauer)
Höchst relaxed und noch von Agua Azul zutiefst beeindruckt begeben wir uns auf die Weiterfahrt nach San Cristóbal de las Casas. Unsere liebgewonnenen Reisebuddies Oli, Simone sowie unsere Wenigkeiten steigen kurzerhand in einen „Local Bus" um, in dem wir uns wie die Hühner auf die Stange in der letzten Reihe quetschen. Eli und Moshe nutzen das Gefährt hinter uns. Und dann startet die Fahrt mit der Wilden Maus über Stock und Stein, durch Täler, Serpentinen und stockdunkle Straßen, in denen man kaum die Hand vor Augen sehen kann ... und da fällt es uns wieder ein - der Highway 199 ... da war doch mal was ... Achso, da soll es ja ab und zu mal zu Überfällen gekommen sein ... ach, das passiert ja selten. Wird schon schiefgehen ... der Gedanke ist noch nicht zu Ende gedacht, da hält uns eine Polizeisperre auf.
Der nette Herr in Uniform registriert erst mal uns sowie andere Collectivos und Shuttles, die sich mittlerweile in einer Schlange hinter uns versammelt haben. Nach einer Weile werden wir von einer Polizeieskorte eine ganze Weile lang begleitet. Und dann dämmert es uns: so ganz „ohne" ist die Ecke halt doch nicht. NATÜRLICH ist alles gut gegangen aber wir würden lügen, würden wir behaupten, nicht einen leichten Adrenalin-Anstieg verspürt zu haben während dieser - teils eskortierten - Fahrt ... mal ganz abgesehen von schmerzenden Hinterteilen, denn die Strecke ist ziemlich wild und kurvig. Reisekrankheit-Geplagte sollten ggf. auf eine andere Variante zurückgreifen. Oli hat während der Fahrt ganz schön zu kämpfen, der Ärmste. Nach 5 Stunden jedoch erreichen wir das Ziel ... in dem es übrigens 20 Grad kühler ist als in Palenque.
Im Regen stapfen wir zum „Planet Hostel" (7,75 EUR pro Kopf & Nacht - unser Niedrigrekord bisher) unsere hübsche Heimat im allgegenwärtigen Kolonialstil für die nächsten Tage (und wieder mit Wassertankstation, was bisher bei fast allen Unterkünften zum Standard gehört - meeeega), die sich recht zentral im wunderschönen Stadtzentrum von San Cristobal de las Casas befindet. Rucksäcke in die Ecke, Herzfrequenz runter bringen und dann „Gute Nacht, Marie"!
.... that's no coffee ....
Simone
Italiener mit Leib & Seele
Blut und Schweiß wurde am Vorabend gemeinsam vergossen ... okay, es war nur Schweiß aber trotzdem: Mit Simone und Oli treffen wir uns am Folgetag wieder zu einer kostenfreien, alternativ angehauchten Stadtführung, die Neuankömmlinge wie uns ein bisschen mit der Stadtgeschichte, aber auch mit netten Bars, Restaurants und Shops abseits der touristischen Wege vertraut macht... begleitet von einer süßen Straßenhündin, die sich laut Team wohl immer gerne den Gruppen anschließt.
San Cristóbal de las Casas strotzt nur so vor coolen Lokalitäten aller Art! Es gibt veganes Essen an jeder Straßenecke, süße Cafés laden zum Verweilen ein und hübsche, gemütliche Bars schenken Pox aus, das Nationalgetränk in Chiapas, was am ehesten als Schnaps (aus Mais) bezeichnet werden kann. Richtig toll ist, dass wir in vielen Lokalen auch Speisen und Getränke probieren dürfen ... unter Anderem Kaffee aus der Region in einer kleinen Bar.
Simone, ein waschechter Vollblut-Italiener, kostet das Gebräu und da kommt es aus ihm heraus, ohne dass er es kontrollieren kann, wie aus der Pistole geschossen: „That’s no coffee ..." Leicht empört über diese Aussage versucht die freundliche französische Studentin, die die Gruppe leitet, zu erklären, dass man hier einfach offen und tolerant mit dem Angebot umgehen muss - aber erzähle mal einem Italiener, dass er dünnen Kaffee tolerieren soll :-) wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen, finden den kleinen Wachmacher aber trotzdem ganz lecker ...
Wir lernen die Zapatisten-Bewegung kennen, die in San Cristóbal stark vertreten ist. Die von der indigenen Bevölkerung gegründete, sozialrevolutionäre Gruppierung trat das erste Mal 1994 mit einem bewaffneten Aufstand (teils durch Frauen initiiert) in Erscheinung, der damals jedoch von der Regierung blutig nieder geschlagen wurde (in den Medien wurde davon natürlich nichts berichtet). Die Zapatisten sind bis heute präsent in San Cristóbal bzw. ganz Chiapas und setzen sich neben der Anerkennung der indigenen Mexikaner auch sehr für Frauenrechte ein.
Der Hunger treibt uns nach der Führung direkt in eine Kunstgalerie, die ebenfalls ein leckeres Mittagsmenü anbietet - dieses Lokal, das „Antigua Café“, haben wir übrigens über die Tour kennen gelernt und direkt für uns als kulinarisches Highlight deklariert.
Abends treffen wir uns mit unserer mittlerweile zur Institution gewordenen Truppe zum Weinchen in einer Bar und verbringen einen wundervollen Abend, an den wir uns lange erinnern werden ...
Wir lieben Euch, Jungs!

Am Folgetag steht ein weiterer Ausflug an - wir möchten den Cañón del Sumidero gemeinsam mit Simone und Oli besuchen. Der Tag startet mit einer Bootsfahrt durch das tiefe Tal - Spinnenaffen und Krokodile kreuzen unseren Weg und die Tour ist soweit nett, auch wenn wir uns ein wenig mehr vom Canyon erhofft haben. Der Anblick der Tierwelt hat jedoch sehr viel Spaß gemacht.
Im Anschluss besuchen wir kurz die Stadt Chiapa de Corzo. Der Canyon entstand übrigens vor 35 Millionen Jahren, zeitgleich mit dem Grand Canyon, und ragt an höchster Stelle mit schlappen 1.000m in den Himmel.
Traurige Anekdote hierzu: Als die Spanier in Chiapas eintrafen und die Einwohner versklavten, stürzten sich alle Frauen und Kinder in diese Schlucht, womit das Schicksal der Chiapa besiegelt wurde und der Stamm vollständig ausstarb.
Beim Aussichtspunkt lässt Adi mal wieder die Drohne in schwindelerregender Höhe kreisen, danach düsen wir zurück ins Hostel.
Auf der Suche nach einem passenden Lokal für ein gemeinsames Abendessen mit Simone und Oli stoßen wir auf das „Loving Hut", ein veganes Restaurant, welches von einer netten älteren Koreanerin betrieben wird. Das Essen ist toll und wir kommen in den Genuss, mal wieder asiatisch zu essen, auch wenn wir bisher die mexikanische Küche sehr zu schätzen wissen. Es gibt auch leckere Kuchen und sogar Tiramisu. Hiervon rät Oli unserem italienischen Freund Simone jedoch ab mit dem Hinweis, dass er am Ende noch einem Herzinfarkt erliegen würde (wir erinnern an die Kaffee-Szene) ... so als waschechter Florentiner kann man kein veganes, koreanisch angehauchtes Tiramisu verspeisen. Mit dem Mandelkuchen war er jedoch vollends zufrieden.
Der vegane Lifestyle ist allgegenwärtig

Das letzte Bier in der großen Runde steht an und Moshe stößt noch mal zu uns. Wir heben in geselliger Runde auf unseren letzten gemeinsamen Abend die Flaschen .... schon faszinierend, wie schnell man sich an die Gesellschaft dieser außergewöhnlichen Charaktere gewöhnt. Wir haben jeden Einzelnen ins Herz geschlossen und können gar nicht aufzählen, über welche Themen wir gelacht, diskutiert und sinniert haben. Danke an Euch, Moshe, Eli, Oli und Simone, für die unvergessliche Zeit! L'CHAIM, CHINCHIN, SALUTE & PROST!
„Come as a traveller and leave as a friend“ (Planet Hostel)
Am nächsten Tag lassen wir uns noch ein bisschen durch das wunderschöne San Cristóbal treiben ... wir genießen noch mal guten Hochlandkaffee im „Café del Arte“ und zelebrieren ein Abschiedsessen mit Oli und Simone.
Danach heißt es „Auf Wiedersehen" ... Simone werden wir in unserer nächsten Destination wieder sehen und Oli ist schon fest für unsere Rückkehr in Mainz „verbucht". Auch Moshe lässt es sich nicht nehmen, noch mal Adieu zu sagen.
Nun stehen uns knapp 14 Stunden Busfahrt bevor ... unsere Hintern können es kaum erwarten (= Sarkasmus). Eins jedoch steht fest:

Wir hatten MÄCHTIG viel Spaß in San Cristóbal!
Seht mehr in unserem folgenden Vlog
Made on
Tilda