Rumtreiber
BLOGEINTRAG #4 - WELTREISETAG 8-10

Tulum 2.0

12. - 14.05.2019 - Stolze Mayastädte und der Fluch der Karibik
Ich fühl' mich wie Indiana Jones ...
Ja ... es ist wahr ... wir reisen noch mal zurück nach Tulum. Das hat einerseits natürlich damit zu tun, dass wir uns dort sehr wohl gefühlt haben aber tatsächlich liegt Tulum auf unser Reiseroute zum nächsten Ziel, welches wir aus Bacalar nicht direkt erreichen können. Da wir verschiedene Sehenswürdigkeiten beim 1. Aufenthalt ausgelassen haben, holen wir das eben noch nach. Denn über eine Sache können wir uns aktuell wirklich nicht beklagen: Zeitstress :-) Und mal so ganz unter uns: vielleicht sind ja die Algen mittlerweile verschwunden und wir können doch noch den karibischen Traum erleben, wer weiß ...

In Tulum angekommen, beziehen wir direkt unser Hostel, das „INDAJANI" (12,50 EUR pro Person/Nacht), was eine Mischung aus Hippie-Enklave und Piraten-Domizil zu sein scheint. Also genau unser Ding!
Besonders zu erwähnen ist, dass wir unsere Thermosflaschen hier stets mit Trinkwasser auffüllen und somit von diesen vermaledeiten Plastikflaschen absehen können. Das gehört definitiv zu den zusätzlich erwähnenswerten Highlights! Wir hüpfen direkt in den Pool und bekommen von netten Menschen ein Bierchen gebracht - was braucht man noch zum Ankommen? In völliger Euphorie schwingen wir uns noch mal auf die geliehenen Räder, um die bekannte Tulumer Maya-Ruine, welche direkt am Strand gelegen ist, anzusehen ... wir strampeln uns die Seele aus dem Leib, um noch rechtzeitig vor Schließung anzukommen. Leider vergebens ... Adi ist in „suboptimaler Laune" deswegen und auch die süßen roten Nasenbären (oder was auch immer das ist), die in der Anlage ihr Unwesen treiben, vermögen es nicht, ihn aufzuheitern. Unser mittlerweile 2. Versuch, diesen Ort zu besichtigen, ist leider fehlgeschlagen.
Aller guten Dinge sind 3 ... oder?
Wir müssen es einfach die nächsten Tage noch mal versuchen - tatsächlich gibt es auch den „Sundowner-Entrace", der aber 4x so viel kostet, wie der reguläre Preis (der liegt bei 3,50 EUR pro Person, übrigens) ... ähm, nööööö!
Definitiv der Publikumsliebling des Abends

Abends lernen wir beim Kochen im Hostel Valentina kennen, eine sehr nette Italienerin, die schon seit 15 Jahren (zuerst beruflich, später privat motiviert) durch die Welt reist. Sie war gerade 3 Monate auf einem Segelschiff und sucht jetzt ein Hostel, in dem sie für Logie arbeiten kann, eine durchaus übliche Art, diesen Lebensstil zu finanzieren.
Nonplusultra in der Backpacker-Küche: Nudeln mit Gemüse-Tomaten-Soße

Am nächsten Morgen entscheiden wir spontan, nach Coba, eine im Dschungel gelegene Maya Ruinenstätte, zu reisen. Wir versuchen unser Glück mit den landesüblichen Collectivos (kleine Busse mit ca. 12 Sitzplätzen, Kosten: ca. 3,30 EUR pro Person). Da es keine öffentlichen Haltestellen gibt, gehört ein bisschen Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein - und wir hatten genau dieses Glück.

In Coba angekommen, stürzen wir uns direkt ins Abenteuer und durchforsten die wunderschöne und verwunschene Anlage. Indiana Jones lässt sowas von grüßen! Coba war während der Blütezeit der Maya eine der größten stadtähnlichen Siedlungen in Yucatan. Zum Glück für die Bewohner war sie bereits verlassen, als die Spanier dort antrafen. Die Gründe dafür sind jedoch unbekannt ...
Wir steuern direkt auf die größte (und besteigbare) Pyramide des Nohoch Mul-Distrikts zu; ganze 42m ragt dieses Bauwerk in den Himmel, die Treppenstufen zeigen eine Gradneigung auf, die auf den ersten Blick als unbezwingbar erscheint. Wir kämpfen uns die Ruinenstufen hoch, Esther schafft mit klapprigen Knien und von Höhenangst geplagt ca. 75% der Strecke, bevor sie sich an den Steinen festkrallend auf dem Hintern Stufe für Stufe wieder hinunter wagt. Selbst die morbide Aussicht auf den Altarraum, in welchem Blutopfer dargebracht wurden, treibt sie nicht weiter an, was Allen klar machen sollte: Die Frau ist DURCH!
Adi hingegen verdient die vollen 100 Heldenpunkte und erklimmt die Spitze der Pyramide. Und trotz dass es ihn selbst noch mal dank der rutschigen Steine auf den Hintern gehauen hat, lässt er sich nicht beirren und wird mit einem sensationellen Blick belohnt. Und mit dem Blick auf seine Angebetete, die eher weniger elegant auf dem Allerwertesten den Rückzug angetreten hat (JA, er hat's auch noch gefilmt).
In der Zwischenzeit kann Esther mit Begeisterung das Antlitz eines ca. 12cm langen schwarzen Skorpions bewundern, der sich durch die am Grund der Pyramide gelegenen Felsbrocken windet. Der Wahnsinn! Aber leider ist das Spinnentierchen zu schnell und hat irgendwie keine Lust, sich mal ablichten zu lassen („nein, ich habe heute KEIN Foto für Dich!“) ...


Die sagenumwobenen Ballspielplätze der Mayas, auf denen die Spieler mit den Hüften die Bälle durch einen Ring bugsieren mussten, sind noch sehr gut erhalten. In dieser Anlage, die aus mehreren Distrikten besteht (die Stadt Coba ähnelt wohl eher einer Siedlung, aber eigentlich keiner zusammen hängenden Stadt), existieren mehrere dieser Plätze. Ob hier wohl größere Turniere ausgetragen wurden?


You'll never walk alone
Nach umfangreicher Erkundung des Areals geht's wieder zurück nach Tulum - aber mit welchem Verkehrsmittel? Die Suche nach dem Collectivo stellt sich als hoffnungslos heraus, da die Taxifahrer mit den Collectivo-Betreibern ein Agreement ausgehandelt haben, dass nur die Anfahrten nach Coba hierüber möglich sind. Ein Taxifahrer bietet uns an, doch noch auf 2 weitere Mitfahrer zu warten, um den Preis zu teilen. Wir gedulden uns rund 45 Minuten, nehmen dann aber das Projekt „Gemeinschaftsfahrt" selbst in die Hand. Vor dem Ruineneingang schwätzen wir also Hintz und Kuntz an, ob sie nicht zufällig nach Tulum reisen - wirklich unser LETZTER Versuch sitzt! Wir lernen ein französisches Pärchen kennen, das auf einer Yucatan-Rundreise ist und eine Fahrerin hierfür engagiert hat. So kommen wir in den Genuss einer wirklich lustigen Fahrt nach Tulum in mexikanisch-französisch-deutscher Kooperation.
Spontane Fahrgemeinschaft: ein französisches Paar mit ihrer reizenden mexikanischen Taxifahrerin

Jetzt noch ein Sprung in den Pool, ein leckeres Essen und dann ein wenig arbeiten. Abends lernen wir noch Paul im Hostel kennen, einen deutschen Traveller, der bereits seit 5 Jahren unterwegs ist und uns schon prophezeit hat: „Ihr kommt bestimmt nicht zurück!“
Tulum-Ruine - Klappe, die 3.
Der letzte Tag in Tulum ... die letzte Möglichkeit, die Ruinen anzusteuern ... Also, ab auf's Rad und fett in die Pedale treten! Generell gilt: der frühe Vogel fängt den Wurm! Unsere bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass sich das zeitige Aufstehen immer lohnt. Bei allen Ausflügen waren wir sehr früh am Start. Wir hatten oftmals die Orte kurzzeitig für uns alleine und konnten somit die Eindrücke entspannt genießen. Auch dieses Mal hat sich diese Vorgehensweise bezahlt gemacht. Die Ruinenstätte der Maya ist wunderschön gelegen - mit Blick aufs karibische Meer (... ja und natürlich auf die Algen ... unser ganz persönliche Fluch der Karibik ... sie sind IMMER noch da ..). Die lustigen Iguanas (mexikanische Leguane) sind alles andere als scheu und hampeln quer über das pittoreske Gelände.
Nach der Rückkehr ins Stadtzentrum entscheiden wir uns für ein üppiges selbst zubereitetes Frühstück mit Reis, Bohnen, Avocados (heißen hier übrigens Aguacate) und Eiertomaten. Ein „Supermarkt" ums Eck, der eigentlich nur ein Holzverschlag ist, entpuppt sich für uns als Obst- und Gemüse-Paradies! Berge an Mangos in allen Formen und Farben ... Avocados, riesige Papayas, Tomaten in sämtlichen Ausführungen, Tamarinde, Süßkartoffeln und ... und ... und ... wir schlagen natürlich zu wie ein ausgehungertes Rudel Wölfe und kaufen tonnenweise das Zeug ein - an der Kasse werden wir noch weiter positiv bestätigt: 4,50 EUR für 3 Tüten Lebensmittel, von denen wir uns den Rest des Tages ausgiebig ernähren.


Unser Nachtbus zur nächsten Station unserer Reise startet um kurz nach acht, so dass wir die Zwischenzeit in unserem Hippie-Hostel, über dem eine ständige Dopewolke schwebt, verbringen und neben kochen, spülen und mit den Leuten quasseln noch den Blog weiter bearbeiten. Kurz vor Aufbruch lernen wir noch Alice kennen, eine schwedische Aussteigerin, die seit 2 Jahren in Guatemala lebt und gerade auf dem Weg in die Heimat einen Zwischenstopp in Tulum einlegt. Sie erzählt uns ihre interessante Geschichte und weiht uns leidenschaftlich in ihre Pläne ein, in Guatemala eine freie Kommune zu errichten ... ein ganz besonderer Mensch, diese Alice - sie bietet uns an, bei ihr zu wohnen, sollten wir durch Guatemala reisen.

Wir satteln unsere Backpacks und brechen auf zum Nachtbus - ein großes „Goodbye" schallt durch unsere kleine, lieb gewonnene Kommune ... Auf Wiedersehen, Alice, Paul, Valentina und alle weiteren bunten Charaktere, die wir getroffen haben - Goodbye Tulum!
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